Pflege dual studieren: Erfahrungsberichte von Studenten und Absolventen

Duale Studiengänge sind begehrt. Und natürlich gibt es auch in Bereichen wie Gesundheitsmanagement, Fitnessökonomie oder Pflege zahlreiche Studiengänge, die Theorie und Praxis direkt miteinander verbinden. In unserer Rubrik „Duales Studium“ informieren wir über alles Wissenswerte, was man bei der Studienwahl beachten sollte. Und die weiterführenden Einblicke in die unterschiedlichen Studiengänge ermöglichen uns duale Studenten, die sich bereit erklärt haben, einen Erfahrungsbericht zu verfassen.

„Das Geheimnis des Erfolges ist, den Standpunkt des anderen zu verstehen.“ Dieses Zitat von Henry Ford hat Christoph in seinem Xing-Profil stehen und es passt ziemlich gut zu dem, was er studiert, nämlich Pflege dual an der HAW Hamburg. Sein Praxispartner ist die Uniklinik Hamburg-Eppendorf und dankenswerterweise hat er uns in diesem Erfahrungsbericht Einblicke in sein duales Studium gegeben.

Erfahrungsbericht Chrisopth Pflege dual


Darum habe ich mich für ein duales Studium Pflege entschieden:

Erfahrungsbericht Duales Studium PflegeBereits während der Oberstufe habe ich mir gründlich überlegt, in welchem Bereich ich in Zukunft arbeiten möchte. Es sollte ein Beruf sein, der eine hohe fachliche Expertise mit der Arbeit am Menschen verbindet und mir natürlich Spaß macht.

Gesundheits- und Krankenpflege als Profession erfüllt in meinen Augen genau diesen Anspruch. In keinem anderen mir bekannten Beruf ist es so wichtig, Grundlagen aus der Medizin, Psychologie und Soziologie, sowie Fachwissen aus den Pflegewissenschaften zu beherrschen und anwenden zu können. Kommt ein Mensch ins Krankenhaus, ist das immer eine besondere Situation für ihn und seine Angehörigen.

Um verstehen zu können, was Pflege eigentlich leistet, möchte ich der Einfachheit halber die deutsch übersetzte Definition des International Council of Nurses (ICN) zitieren: „Pflege umfasst die eigenverantwortliche Versorgung und Betreuung, allein oder in Kooperation mit anderen Berufsangehörigen, von Menschen aller Altersgruppen, von Familien oder Lebensgemeinschaften, sowie von Gruppen und sozialen Gemeinschaften, ob krank oder gesund, in allen Lebenssituationen (Settings). Pflege schließt die Förderung der Gesundheit, Verhütung von Krankheiten und die Versorgung und Betreuung kranker, behinderter und sterbender Menschen ein. Weitere Schlüsselaufgaben der Pflege sind Wahrnehmung der Interessen und Bedürfnisse (Advocacy), Förderung einer sicheren Umgebung, Forschung, Mitwirkung in der Gestaltung der Gesundheitspolitik sowie im Management des Gesundheitswesens und in der Bildung.“

Neben diesen Eigenschaften war es für mich auch unglaublich wichtig, dass nach dem Abschluss noch längst nicht Schluss ist. Uns Absolventen stehen nach dem Krankenpflegeexamen viele Türen offen. Man kann sich mittels Master-Studium in den Bereichen Management (bis hin zur Leitungsebene eines gesamten Krankenhauses), Pädagogik, sowie Pflegewissenschaften (bis hin zur Promotion Dr. rer. cur.) weiterbilden. Man kann sich ebenso mit einem ambulanten Pflegedienst selbstständig machen, oder als freiberuflich Pflegender in ganz Deutschland arbeiten. Ein Bekannter von mir macht genau das: Heute ist er für 2 Wochen in München. Anschließend fährt er ins Ruhrgebiet oder nach Berlin. Je nach dem, worauf er Lust hat.

Des weiteren hat man nach etwa einem Jahr Berufserfahrung die Möglichkeit zur Weiterbildung zum Fach-Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensiv u. Anästhesiepflege, oder zum Fach-Gesundheits- und Krankenpfleger im Operationsdienst. Neben diesen „großen“ beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten gibt es noch zahlreiche kleine, wie z.B. das Wundmanagement, Stomatherapie, etc. pp.





So bin ich an den dualen Studienplatz gekommen:

Erfahrungsbericht Bewerbung Duales Studium PflegeEhrlich gesagt hatte ich unglaubliches Glück, was den Studienplatz betrifft. Als ich mich für den Ausbildungsbeginn 2011 beworben hatte, wurde ich zum Vorstellungsgespräch und Assessment-Center in Hamburg eingeladen. Erst dort sagte man mir, dass es die Möglichkeit gäbe, Pflege auch studieren zu können. Das UKE würde in diesem Jahr erstmalig an einer Kooperation mit der HAW (Hochschule für angewandte Wissenschaft in Hamburg) teilnehmen und ein duales Studium anbieten. Ich habe ein paar Tage verstreichen lassen und darüber nachgedacht, welchen Mehrwert mir das Studium bieten könnte. Da ich früher oder später Erfahrungen im Ausland sammeln wollen würde, und ein international anerkannter Bachelor die organisatorischen Rahmenbedingungen vereinfacht, entschied ich mich für die Zusage. Dass ein Studium einem zusätzlich noch ein derartiges Hintergrundwissen über bspw. das Gesundheitssystem, rechtliche Rahmenbedingungen oder wissenschaftliches Arbeiten bietet, habe ich zu dem Zeitpunkt noch nicht geahnt.

Wer sich heute für das duale Studium bewerben möchte, wird wahrscheinlich weniger Glück haben. Wie ich von Kommilitonen in den unteren Semestern gehört habe, hatten sich die meisten explizit für das duale Studium beworben. Auch die Aufnahmebedingungen scheinen jetzt härter geworden zu sein. Ich denk,e man sollte sich davon nicht abschrecken lassen und einfach mal eine Bewerbung abschicken.


So läuft mein duales Studium ab:

Duales Studium Pflege StudienablaufDas Studium ist unterteilt in Theorie- und Praxisphasen. Beide dauern je etwa 3 Monate und laufen abwechselnd ab. Während der Praxisphasen werden wir auf verschiedenen Stationen unseres Ausbildungsträgers eingesetzt. Ich hatte u.a. Einsätze auf der Unfallchirurgie, der Gefäßchirurgie, dem Wirbelsäulen-Center und in einem spezialisierten ambulanten Palliativen Pflegedienst (SAPV).

Die Theoriephase läuft entweder an der Krankenpflegeschule oder der kooperierenden Hochschule ab. In der Krankenpflegeschule lernten wir anfangs natürlich die Basics: Anatomie und Physiologie, Hygiene, Verhalten im Notfall und Erste Hilfe. In höheren Semestern kamen konkrete pflegerische Maßnahmen bei Patienten mit definiertem Krankheitsbild hinzu. Welche Bedürfnisse haben z.B. Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben? Wie pflegt man Schwerverletzte? Welche Möglichkeiten hat man in der psychiatrischen Pflege?

An der Hochschule lernen wir in Seminaren, wie man z.B. wissenschaftliche Arbeiten recherchiert und bewertet. Dort lernen wir auch die rechtlichen Rahmenbedingungen unseres Handelns.
Am Ende jedes Semesters stehen, wie in anderen Studiengängen auch, die Prüfungen an. Je nach Modul wird entweder mündlich, praktisch, oder schriftlich in Form einer Klausur oder Hausarbeit geprüft.


Die positiven und negativen Seiten eines dualen Studiums sind:

Explizit für Pflege:

  • ein international anerkannter Abschluss
  • wissenschaftlich fundiertes Wissen und die Möglichkeit, es selbständig auf dem aktuellen Stand zu halten
  • eine tolle Zukunftsperspektive

Generell:

  • Zeitersparnis (Ausbildung + Studium dauern dual 4, statt separat mind. 6 Jahre)
  • Gehalt während des Studiums
  • ab und zu kommt man mit den auferlegten Aufgaben ganz schön ins Schwitzen


Meine Tipps für Studieninteressenten:

Tipps für Pflege dual EntscheidungPflege ist ein unglaublich vielseitiger Beruf mit vielen verschiedenen Aufgaben und Fachrichtungen. Ob man sich wie oben genannt mittels Studium bzw. Weiterbildung weiterqualifiziert, oder nach einigen Jahren praktischer Erfahrung im Fachbereich A für den Wechsel in Fachbereich B entscheidet.

Zum Glück bieten alle Krankenhäuser, die ich kenne, die Möglichkeit an, ein Praktikum zu machen. Mindestens 4 Wochen sollte man in den Beruf hineingeschnuppert haben, bevor man sich ein Urteil bildet. Wer Interesse an wissenschaftlichen Themen der Pflege, Medizin, Psychologie und Soziologie hat und dies mit der Arbeit an Menschen verbinden möchte, sollte über ein Praktikum in der Pflege nachdenken.