Gesundheitswesen: Chancen und Herausforderungen in einem dynamischen Markt

Gesundheitswesen„Die deutsche Gesundheitswirtschaft ist eine dynamische Wirtschaftsbranche mit hoher Innovationskraft und erheblicher ökonomischer Bedeutung für den Standort Deutschland“. Mit diesen Worten verspricht das Bundesministerium für Gesundheit auf seiner Homepage rosige Perspektiven. Mehr als zehn Prozent aller Erwerbstätigen arbeiteten Ende 2010 in Gesundheitsberufen. Ein Studium in diesem Bereich birgt tatsächlich viele Chancen ‒ aber auch nicht zu unterschätzende Herausforderungen.


Neues Gesundheitsbewusstsein

In den vergangenen Jahrzehnten hat das Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung deutlich zugenommen, wobei viele Konsumentengruppen eine neue, oftmals kritischere Einstellung entwickelt haben. Bio, Wellness und alternative Heilmethoden liegen im Trend, die klassische Medizin wird hinterfragt. Themen wie Burnout haben viele Menschen wachgerüttelt, man weiß, dass auch z. B. Mobbing krank machen kann. Popbands wie Deichkind texten ironisch „Schenke deinen Urlaub dem Konzern! Trink ein großen Schluck Leistungsdruck!“. Dies wird nicht allen Unternehmen gerecht, da in manchen Chefetagen bereits ein Umdenken eingesetzt hat, zumindest ist betriebliches Gesundheitsmanagement zunehmend ein Thema. Man investiert in ergonomische Büro-Ausstattung, beschäftigt firmeneigene Masseure oder wirbt mit den Worten „Job samt Terrasse und Grill“ neue Mitarbeiter an.

„Sorry, ich hab gerade Burnout“

GesundheitswesenWer gut informiert ist und es sich leisten kann, lebt heute eher nach dem Motto „Lieber gesund bleiben statt Krankheiten behandeln“. Auf der anderen Seite wird hier zum Teil maßlos übertrieben, der Burnout gilt mitunter bereits als schicke Entschuldigung in Manager-Kreisen. Es kommt aber auch vor, dass eine handfeste Depression dahinter steckt, die niemand als solche bezeichnen will.

Die Esoterik-Welle hat neben seriösen Anbietern reichlich Scharlatane hervorgebracht, die die neuen Haltung profitsteigernd zu nutzen wissen. Akteure im Gesundheitswesen sind also gefordert, in diesem Geflecht aus sinnvollen neuen Bedürfnissen und traditionell Bewährtem wegweisende Trends zu erspüren und Maßnahmen zu schaffen, die echten gesundheitlichen Nutzen bringen.

Weniger Nachwuchs ‒ mehr ältere Menschen

Trotz alternativer Entwicklungen sind Schulmedizin und Pharmaindustrie wohl unverrückbare Größen, die weiterhin ganze Branchen und Berufe prägen werden. Durch den demografischen Wandel steigt der Bedarf an Ärzten, Pflegern und Pharmaprodukten. In der überalternden Gesellschaft gibt es weniger qualifizierte Nachwuchskräfte, dafür aber immer mehr Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. So verzeichnete das Statistische Bundesamt zum Jahresende 2009 bereits gut 2,3 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland. Diese Entwicklung und der medizinische Fortschritt bringen steigende Ausgaben im Gesundheitssektor mit sich, auf der anderen Seite sind die finanziellen Mittel begrenzt.

Knappes Budget bei steigenden Anforderungen

GesundheitswesenAus gutem Grund blühen die Studiengänge im Bereich Gesundheitsmanagement: Bei der Prävention und der Behandlung von Krankheiten geht es längst nicht mehr nur um medizinisches Wissen. Fachkräfte mit betriebswirtschaftlichem Know-how sind genauso gefragt, wer beides mitbringt, hat gute Karten. Der strukturelle Wandel stellt Krankenkassen, Pflegeheime, Kliniken & Co. vor neue Herausforderungen. Medizinische Einrichtungen benötigen effiziente Kostenstrukturen, Fragen wie der Sinn und Nutzen neuer Abrechnungssysteme spielen eine wesentliche Rolle.

Zwischen Medizin, Wirtschaft und Politik

Für die finanziellen Entscheidungen ist auch die aktuelle Gesetzgebung relevant bzw. es gilt, auf diese einzuwirken, um die Basis eines funktionierenden Gesundheitssystems zu erhalten und zu verbessern. Akademische Fachkräfte in diesem Bereich benötigen also auch entsprechendes politisches Hintergrundwissen und müssen über aktuelle Entwicklungen informiert sein. In den vergangenen Jahrzehnten brachte die Gesundheitspolitik zum Beispiel mehrfach neue Reformgesetze hervor, die teils zu herber Kritik führten.

Historische Hintergründe

Bereits ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, mit den Beginn der Industrialisierung, wurden Gesundheit und medizinische Versorgung zunehmend auch zu einer politischen Frage. In Deutschland prägte besonders die Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung die Entwicklung des Gesundheitssystems, als Ergebnis Otto von Bismarcks Sozialgesetzgebung im Jahr 1883. Seitdem wurde das Gesundheitswesen zunehmend durch Gesetze geregelt, Institutionen wurden gegründet und Zuständigkeiten festgelegt.

Zahlreiche berufliche Wege

GesundheitswesenDie Dynamik des medizinischen Fortschritts, eine wachsende Vielfalt von gesundheitsbezogenen Produkten, Dienstleistungen und Anbietern, verbunden mit einer steigenden Nachfrage, trugen in den vergangenen Jahrzehnten dazu bei, dass das Gesundheitswesen zu einem bedeutenden Wirtschaftssektor geworden ist. Hier bieten sich mit entsprechendem Studienabschluss unzählige Möglichkeiten in Einrichtungen wie Praxen, Krankenhäusern, Ambulanzen, Behörden, Wohlfahrtsverbänden, Gesundheitsdienstleistern und Unternehmen der freien Wirtschaft. Wenn es dich also reizt, das komplexe Gebilde aus Zuständigkeiten, Aufgaben, Institutionen, ökonomischen Interessen, ethischen Ansprüchen und rechtlichen Vorgaben zu durchdringen und einen eigenen Beitrag zu leisten, bist du hier genau richtig. Denn fest steht, die Gesundheit wird immer ein großes Thema der Menschen sein. Bei der Frage nach dem persönlichen Glück rangiert sie ganz weit oben.