Viele berufliche Karrieren in der Pflege beginnen mit einer Ausbildung. So auch bei Sophia. Sie hat erst eine Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin und danach einen Bachelor in Pflegemanagement / Pflegewissenschaften an der Hochschule Neubrandenburg erfolgreich abgeschlossen. Dadurch ist sie von der Pflegekraft zur Wohnbereichsleitung in einem Alten- und Pflegeheim aufgestiegen. Im Interview berichtet sie von ihrem Beruf.

Wohnbereichsleiterin
Wohnbereichsleiterin

Wohnbereichsleitung in einem Alten- und Pflegeheim

Sophia

Bachelor in Pflegemanagement / Pflegewissenschaften

Wohnbereichsleitung in einem Alten- und Pflegeheim

Liebe Sophia, wieso haben Sie sich für die Pflege als Beruf entschieden? Und wieso haben Sie nach der Ausbildung noch ein Studium in Pflegemanagement / Pflegewissenschaften drangehängt? Was haben Sie sich versprochen bzw. was hat Sie daran gereizt?

Pflegemanagement und Pflegewissenschaften vereinte die Praxis mit der Theorie, was mir sehr gefiel.

Ich glaube, viele junge Leute stehen nach der Schule vor dem Problem bzw. der Frage: „Was mache ich nun? Wo möchte ich mit meinem Leben hin?“ Genauso stellte ich mir diese Frage auch mit 19 Jahren, frisch mit dem Abitur in der Tasche.

Für mich war eines klar: Ich möchte mit Menschen arbeiten, ihnen etwas Gutes tun, ihnen helfen. Ich habe unterschiedliche Bewerbungsgespräche bei unterschiedlichen Arbeitgebern gehabt. Ausbildungsstellen hätte ich überall bekommen, aber mich reizten diese Berufsbilder nicht. In Greifswald haben wir ein großes Universitätsklinikum, welches damals noch Kinderkrankenschwestern ausbildete.

Diese Ausbildung erwies sich für mich als gute Lösung, erstmal in das Berufsleben zu starten und die Weichen für meinen beruflichen Werdegang zu legen. Von vornherein war mir bewusst, dass ich dies nicht mein Leben lang machen und ich nach mehr streben werde. Die Ausbildung hat mir Unmengen an Erfahrung gebracht und ich möchte diese Zeit auch nicht missen. Dazu kam, dass unsere Klinik damals nur die zwei besten Azubis von unserer Klasse übernahm. Da ich schon immer eher zum guten Durchschnitt gehörte und ja, wie gesagt, mehr wollte, hatte sich diese Überlegung für mich erübrigt.

Also beschloss ich, in meiner Berufsrichtung ein Studium aufzunehmen. Pflegemanagement und Pflegewissenschaften vereinte die Praxis mit der Theorie, was mir sehr gefiel. Aufgrund der praktischen Erfahrungen in der Ausbildung fiel mir dieses Studium erheblich leichter, als Kommilitonen ohne Ausbildung. Ich habe mir von diesem Studium versprochen, meinen Wissensdurst nach mehr zu stillen. Ich fühlte mich nach der Ausbildung noch nicht da angekommen, wo ich hin möchte. Hinzu kommt natürlich der Ehrgeiz, die Welt zu verändern – dies hat vermutlich in jungen Jahren fast jeder.

Heute sind Sie als Wohnbereichsleitung mitverantwortlich für die Organisation in einem Alten- und Pflegeheim. Wie können wir uns Ihren Berufsalltag vorstellen?

Man ist der erste Ansprechpartner für alles und jeden. Dieser Verantwortung muss man sich bewusst sein.

Die wichtigsten Aufgaben in meinem Job als Wohnbereichsleitung ist die Organisation von Abläufen, die Kontrolle und Überwachung der ausgeführten Pflege (z.B. in Form von Pflegevisiten), ganz viel Motivation und Gesprächsführung (wie z.B. Mitarbeitergespräche, Angehörigengespräche, Beratungsgespräche…) und gefühlte 60% macht die Dienstplanarbeit aus.

Welche Aufgaben ich genau erledige, kann ich so gar nicht sagen. Es fällt immer irgendwas an. Abarbeiten von internen Audits, Qualitätszirkel durchführen, Teambesprechungen führen, Medikamentenvisiten durchführen, natürlich Pflegeplanungen schreiben und im Allgemeinen für eine gute Struktur und Organisation im Wohnbereich sorgen.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass dieser Job keine negativen Seiten hat. Dass es Mitarbeiterengpässe in der Pflege gibt, ist, denke ich, kein Geheimnis. Jeder Tag ist anders, als der davor. Es gibt fast jeden Tag eine neue Herausforderung. Wie oft wünscht man sich ein bisschen Routine? Aber das ist zugleich das interessante bzw. attraktive an diesem Beruf. Es wird nicht langweilig. Der Tag vergeht im Nu. Im Gegenteil, wie oft wünsche ich mir, dass der Tag mehr als 24 Stunden hat.

Die Arbeit an sich macht sehr viel Freude. Man bekommt so viel zurück, WEIL man eben mit Menschen arbeitet. Dankbare Angehörige und Bewohner, aber auch das Arbeiten im Team, bei der man Zusammenhalt und Freude erfährt, schaffen es mich zu überzeugen, die richtige Berufswahl getroffen zu haben. Ich höre oft von Freunden, die nur am PC sitzen in ihrem Job oder nur Maschinen bedienen. So etwas kann ich mir für mich nicht vorstellen. Natürlich habe ich auch Tage, an denen ich viel am PC machen muss. Wenn ich mir jedoch mal die Beine vertreten möchte, gehe ich ein paar Bewohner besuchen oder mache einen Spaziergang mit Bewohnern, die vielleicht alleine nicht mehr vor die Tür gehen können.

Die Verantwortung in unserem Beruf ist schon sehr groß. Fällt die Pflegedienstleitung aus, sei es durch Krankheit, Urlaub oder kurzfristige Kündigung wird man als Wohnbereichsleitung zur Vertretung herangezogen. Man ist somit der erste Ansprechpartner für alles und jeden. Dieser Verantwortung muss man sich bewusst sein. Als WBL ist man natürlich auch erstmal der Buh-Mann für alles, sei es von den Mitarbeitern oder der Pflegedienstleitung. Als Zwischeninstanz ist es wirklich nicht immer einfach. Aber sobald man sich etwas dickes Fell zugelegt hat, kann man auch das mit links meistern.

Wenn jemand Ihren Karriereweg einschlagen möchte – Was empfehlen Sie ihm/ ihr? Wie erreicht man das Ziel?

Nicht jeder ist für diesen Beruf geboren. Man sollte sich vorher wirklich lange Gedanken machen, ob man diesen Weg einschlagen will. Wenn es dem Menschen um Karriere geht und um viel Geld, der sollte die Finger davon lassen.

Es ist auf jeden Fall zu empfehlen, vor dem Studium eine Ausbildung in einem Pflegeberuf zu machen. So weit ich weiß, ist dies jetzt Vorschrift für diesen Studiengang. Zum Zeitpunkt als ich das Studium begonnen habe, war dies noch nicht so. Ich weiß jedoch, dass die Kommilitonen ohne Ausbildung von damals diese entweder danach noch gemacht haben oder nun im Qualitätsmanagement sitzen. Was ich sagen möchte ist, dass sie danach nicht viele Chancen haben in der Leitungsebene in der Pflege aufzusteigen.

Weiterhin ist es zu empfehlen, neben dem Studium in der Pflege zu arbeiten. Natürlich um Geld zu verdienen, aber auch um Erfahrung zu sammeln. Es ist gesetzlich festgelegt, dass zwei Jahre Erfahrung in der Ausübung einer pflegerischen Tätigkeit notwendig sind, um als Pflegedienstleitung zu arbeiten. In einer Bewerbung kommt es zudem nie schlecht an, wenn man sagen kann, dass man neben seinem Studium noch im Pflegeberuf jobbt. Ich habe damals auf Abruf als Kinderkrankenschwester gearbeitet.

Es ist auch nie verkehrt, sich über die aktuellen Gegebenheiten auf dem Pflegemarkt zu erkundigen. Ich habe damals die Zeitschrift „Die Schwester der Pfleger“ abonniert und war somit immer auf dem Laufenden.

Nicht jeder ist für diesen Beruf geboren. Man sollte sich vorher wirklich lange Gedanken machen, ob man diesen Weg einschlagen will. Wenn es dem Menschen um Karriere geht und um viel Geld, der sollte die Finger davon lassen. Wir verdienen als WBL nicht schlecht, aber zum Millionär wird man definitiv nicht. Wie gesagt, der Wert in diesem Beruf zu arbeiten, liegt ganz klar woanders, aber ist deshalb aber nicht weniger wert.

Ich bereue es jedenfalls bis heute nicht, diesen Weg gegangen zu sein. Ich fühle mich zwar noch nicht zu 100% da angekommen, wo ich in meinem beruflichen Werdegang hinmöchte. Aber ich weiß, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde.

Vielen Dank für diesen interessanten Einblick in Ihren Beruf! Wir wünschen Ihnen weiterhin alles Gute und viel Erfolg.

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