Berufsbegleitendes Präsenzstudium

Nach der Arbeit nochmal „die Schulbank drücken“? Das ist gar nicht mal so ungewöhnlich und mittlerweile gibt es bei sehr vielen Studiengängen im Gesundheitswesen die Möglichkeit, Beruf und Studium zu vereinbaren. Welche Studienmodelle es für Berufstätige gibt und welche Vorteile es hat, erfährst du hier.

Fröhlich berufsbegleitende Studenten, die in einem Seminar sitzen.Das Gesundheitswesen ist eine Branche mit Zukunft. Nicht zuletzt dadurch, dass wir eine immer höhere Lebenserwartung haben. Unser Älterwerden hat jedoch zur Folge, dass das Gesundheitssystem vor neuen Herausforderungen steht: Es mangelt überall im Gesundheitssektor an qualifiziertem Fachpersonal – sei es in leitenden Positionen oder bei der so wichtigen Arbeit an und mit den Menschen. Die Kosten für Pflege und Behandlungen steigen. Und nicht nur dafür: Es geht ja nicht nur um die körperlichen Leiden, sondern auch um die mentalen. Das moderne Zeitalter bringt Krankheiten wie Depressionen und Burnout mit sich. Dann wieder Wohlstandskrankheiten wie Übergewicht und Diabetes Typ 2. Wer kümmert sich? Wer verteilt Ressourcen und Kosten? Wer erforscht Risiken, denen eine bestimme Gruppe ausgesetzt ist? Wer hat Ideen zur Lösung, aber auch zur Prävention? Und das alles muss ethisch und finanziell vertretbar sein.

Der Nachwuchs steht an den Unis bereits in den Startlöchern. Nicht umsonst gibt es eine zunehmende Zahl an Studiengängen im Gesundheitswesen. Doch begehrt ist, wer schon berufliche Erfahrung im Gesundheitssektor gesammelt hat. Und wer in diesem Bereich arbeitet, wird feststellen, dass es zahlreiche Studiengänge gibt, die sich speziell an Berufstätige wenden und ihnen die Vereinbarkeit von Beruf, Studium und Privatleben so leicht wie möglich machen wollen: mit einem berufsbegleitenden Präsenzstudium.

Ein Vorteil des berufsbegleitenden Präsenzstudiums ist, dass du ganz normal am Unterricht teilnimmst – im Gegensatz zu einem Fernstudium, bei dem du in Eigenregie lernst. Im Präsenzstudium werden dir wie in der Schule Stundenplan und Lerninhalte vorgegeben. Außerdem hast du direkten Kontakt zu den Dozenten und den Kommilitonen. Also wirklich fast wie in der Schule: Nur das der Unterricht so liegt, dass du weiterhin deinen Beruf ausüben kannst. Wie das geht? Mit verschiedenen Zeitmodellen, die von den Unis, FHs und Akademien angeboten werden.

Berufsbegleitendes Präsenzstudium: Alle Infos

Zeitmodelle

Wochenendstudium

Die Präsenzkurse finden in regelmäßigen Abständen samstags und / oder sonntags statt. Ob die Kurse wöchentlich, 14-tägig oder in einem ganz anderen Rhythmus stattfinden, erfährst du bei der jeweiligen Hochschule. Auch wenn du bei diesem Modell unter der Woche "frei" hast, musst du trotzdem Referate oder Aufgaben für den Unterricht vorbereiten.

Abendstudium

An mehreren Abenden in der Woche findet beispielsweise von 18 bis 20 Uhr Unterricht statt, oder von 19 bis 21 Uhr. Wie üblich hängen die Zeiten von der Bildungseinrichtung ab. Vergiss nicht, dass du für die Seminare am Abend auch Referate oder Hausaufgaben vorbereiten musst.

Blockstudium

Ein Blockstudium kann über das Wochenende hinaus ausgeweitet werden. Blockseminare können beispielsweise von Donnerstag bis Samstag oder Sonntag stattfinden und dann hat man erstmal wieder seine Ruhe. Da in diesem Modell auch Werktage inbegriffen sind, solltest du in einem solchen Fall unbedingt mit deinem Arbeitgeber sprechen.

Teilzeitstudium

Für viele Berufstätige wird von den Hochschulen ein Teilzeitstudium angeboten. Das Studium dauert länger als ein Vollzeitstudium, dadurch ist deine wöchentliche Belastung geringer. Allerdings finden die Präsenzseminare trotzdem unter der Woche statt. Sprich auch hier mit deinem Arbeitgeber, damit er dich unterstützen kann.

Hast du den Eindruck, dass dir mit einem berufsbegleitenden Präsenzstudium der Rahmen zu eng gesteckt ist? Brauchst du mehr Flexibilität beim Lernen? Wenn du zu den beneidenswerten Menschen gehörst, die in Eigenregie und mit viel Motivation ohne äußeren Druck lernen können, würde für dich auch ein Fernstudium in Frage kommen. Bei der Form studierst du selbstbestimmt von zu Hause aus.

Fernstudium

Inhalte

Ein Seminarraum ist aus der Perspektive der letzten Reihe zu sehen. Eine Studentin meldet sich.Welche Inhalte gelehrt werden, hängt von der Wahl deines Studienganges im Gesundheitswesen ab. Das Gebiet der Gesundheitsstudiengänge ist sehr vielfältig, so dass sich die Inhalte nur schwer verallgemeinern lassen. Was jedoch in fast allen Studiengängen im Bereich Gesundheit gelehrt wird, sind die Bereiche deutsches Gesundheitswesen, BWL & VWL und medizinische Grundlagen. Wie praktisch oder wie theoretisch dein Studium veranlagt ist, hängt ebenfalls vom Studiengang ab. Ein Gesundheitsmanagement Studium ist sicherlich theoretischer ausgerichtet als ein Pflege- oder Physiotherapie Studium.

Wie die genauen Inhalte in den jeweiligen Studiengängen aussehen, kannst du in unseren ausführlichen Studiengangsbeschreibungen nachlesen.

Letztendlich wird dich das berufsbegleitende Präsenzstudium genauso gut weiterqualifizieren wie ein Vollzeitstudium. Und noch mehr: Wer es schafft, neben der Arbeit und dem Privatleben erfolgreich zu studieren, ist sich selbst das beste Zeugnis. Denn deine potenziellen Arbeitgeber sehen, dass du diszipliniert, motiviert und organisiert bist.

Voraussetzungen

Die erste Voraussetzung versteht sich bei einem berufsbegleitenden Präsenzstudium von selbst: Du solltest eine abgeschlossene Berufsausbildung haben und in den meisten Fällen bereits zwei bis drei Jahre Berufserfahrung im Gesundheitswesen mitbringen. So sind ja auch extra die Studiengänge vom Zeitlichen her angelegt.

Darüber hinaus solltest du mitbringen:

  • Allgemeine Hochschulreife (Abitur) oder
  • Fachhochschulreife (Fachabitur) oder
  • einen gleichwertig anerkannten Abschluss
  • Erfolgreiche Teilnahme an den individuellen Auswahlverfahren der Hochschulen (nicht jede Hochschule hat ein eigenes Auswahlverfahren)

Du kannst übrigens in vielen Fällen auch ohne Abitur studieren: Die wichtigste Voraussetzung dafür erfüllst du im Prinzip schon automatisch. Grundsätzlich ist es nämlich so, dass du neben anderen Bedingungen wahlweise eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrjährige Berufserfahrung haben solltest.

Möchtest du einen Master machen, musst du ein erfolgreich abgeschlossenes Erststudium (Diplom oder Bachelor) in einem fachverwandten Studiengang absolviert haben.

Persönliche Voraussetzungen

Um ein berufsbegleitendes Präsenzstudium zu absolvieren solltest du unbedingt folgende Eigenschaften mitbringen:

  • Motivation
  • Bereitschaft, auch nach dem eigentlichen Feierabend zu lernen
  • Organisationstalent
  • Die Zustimmung und ggf. die Unterstützung deines Arbeitsgebers
  • Disziplin und Durchhaltevermögen
  • Englischkenntnisse sind von Vorteil

Dauer

Mit der Dauer und dem Verlauf der Studiengänge im Bereich Gesundheit ist es ähnlich wie bei den Studieninhalten. Da die Bandbreite so groß ist, können wir dir nur beispielhaft einige Studiengänge und deren Dauer aufführen. Ansonsten kannst du natürlich gerne auch in unseren ausführlichen Studiengangsbeschreibungen nachlesen, wie es sich bei deinem Wunschstudium verhält.

  • Angewandte Pflegewissenschaft, Bachelor: 7 Semester
  • Präklinische Versorgung und Rettungswesen, Bachelor: 7 Semester
  • Medizinpädagogik, Bachelor: 6 Semester
  • Medizinpädagogik, Master: 6 Semester
  • Management in Gesundheitsberufen: 11 Semester (Verkürzung durch Anrechnung möglich)
  • Public Health, Master: 4 Semester
  • Betriebliches Demografie- und Gesundheitsmanagement, MBA: 4 Semester
  • Physiotherapie, Bachelor: 6 Semester

Kosten

Wie hoch die Studiengebühren sind, hängt sowohl von der Hochschule ab als auch von dem Abschluss, den du anstrebst. In unserem Überblick siehst du ganz deutlich, welche Spannen es geben kann. Zusätzlich zu den Studiengebühren verlangen viele private Hochschulen zusätzlich eine Einschreibe- und eine Prüfungsgebühr. An den staatlichen Bildungseinrichtungen fallen die Studiengebühren weg, doch dafür sind Semesterbeiträge fällig. Die Kosten kannst du ganz leicht selbst herausfinden: Auf den Homepages der Hochschulen sind alle Studiengebühren und weitere Kosten übersichtlich aufgeführt.

  • 395 Euro pro Monat Bachelor (HG Hochschule)
  • 295 Euro pro Monat Bachelor (FOM)
  • 390 Euro pro Monat Bachelor und
  • 450 Euro pro Monat Master (Hochschule Döpfer)
  • 325 Euro pro Monat Master (IAW)
  • Ca. 410 Euro pro Monat Master (Leuphana Universität Lüneburg)
  • 825 Euro pro Monat MBA (SRH Hochschule Berlin)

Auch wenn du einen festen Job hast, hat nicht jeder mal eben jeden Monat einen bestimmten Betrag zur Verfügung, die er in die Studiengebühren stecken kann. Vielleicht macht auch dir das Geld Sorgen? Es gibt viele Finanzierungs- und Unterstützungsmöglichkeiten. Mehr dazu findest du in unserem Artikel „Kosten- und Studienfinanzierung“.

20 Hochschulen, die ein berufsbegleitendes Präsenzstudium im Gesundheitswesen anbieten

zur Gesamtübersicht

Karriere und Gehalt

Ein berufsbegleitendes Präsenzstudium gibt deiner Karriere einen richtigen Aufschwung. Mit den erworbenen neuen Kompetenzen (sei es im Bereich der Therapie, Management oder Gesundheitswesen) wirst du zu einer begehrten Fachkraft in der Gesundheitsbranche. Dir eröffnen sich mitunter neue Aufgabenfelder und mehr berufliche Perspektiven. Die meisten Studiengänge befähigen dich dazu, in einer Führungsposition zu arbeiten.

Mögliche Arbeitsfelder sind:

  • Krankenkassen
  • Vereine
  • Krankenhäuser, Kliniken, Rehazentren
  • Unternehmen
  • Forschung und Wissenschaft
  • Arztpraxen
  • Pharma
  • Gesundheitswesen
  • U.v.m. 

Wie in jedem Job richtet sich dein Gehalt nach verschiedenen Faktoren. Die Branche spielt eine entscheidende Rolle, ebenso deine Qualifikationen, die Stadt, die Größe des Unternehmens, für das du arbeitest, aber auch ob du nach Tarif bezahlt wirst oder ob du dein Gehalt selbst verhandelst. Doch so oder so: Ein Studium im Gesundheitswesen verschafft dir eine hervorragende Ausgangssituation. Mehr zu den Gehältern der einzelnen Berufe kannst du in den jeweiligen Beschreibungen der Studiengänge nachlesen oder in unserer Rubrik „Gehalt in der Gesundheitsbranche“.

Ist ein berufsbegleitendes Präsenzstudium das Richtige für mich?

Erwachsener Mann sitzt in einem Seminar und meldet sich.Hast du wirklich Lust dazu, neben der Arbeit zu studieren? Benötigst du für den Lernerfolg feste Abläufe wie einen Stundenplan oder eine Klasse zum Anfassen? Dann ist das berufsbegleitende Präsenzstudium auf jeden Fall etwas für dich. Der Stundenplan wird vorgegeben und hast du Fragen, kannst du sie im direkten Gespräch / Unterricht loswerden. Bedenke aber, dass auch ein Studium neben der Arbeit schlicht und ergreifend viel zusätzliche Arbeit bedeutet, auch wenn die Hochschulen es dir so leicht wie möglich machen wollen. Denn du kannst nicht nach Feierabend bequem die Füße hochlegen oder nach der Arbeit noch mit Freunden was Trinken gehen. Stattdessen ist dann Lernen angesagt. Ist dir das alles zu verbindlich? Möchtest du ein „Freigeist“ bleiben? Dann solltest du über ein Fernstudium nachdenken. Bei diesem Modell hast du die Möglichkeit, alles ganz alleine zu organisieren: Du bestimmst, wann du lernst, wie viel du lernst. Das ist nicht jedermanns Sache. Umso besser, dass es die Wahl zwischen verschiedenen Studienmodellen gibt.

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