Gesundheit studieren: Uni, FH oder Akademie?

Wer ein Studium im Gesundheitswesen beginnen möchte, steht nicht nur vor einer riesigen Auswahl an Studiengängen, sondern auch vor der Frage, für welchen Hochschultypen er sich entscheiden soll: Uni, FH oder Akademie? Und wo sind überhaupt die Unterschiede? Zumindest diese Frage können wir dir beantworten – deine Entscheidung musst du dann alleine treffen.

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Kennst du diese Situation? Vielleicht hast du dich bereits für ein bestimmtes Studium im Bereich Gesundheit entschieden und bist jetzt unentschlossen, welcher Hochschultyp der geeignetste ist? Und dann ranken sich wahrscheinlich auch noch viele Mythen und Klischees um jeden Typen. Wir wollen dir hier einmal ganz sachlich und frei von Klischees erklären, wo eigentlich die Unterschiede zwischen Uni, FH und Akademie liegen.

Uni, FH oder Akademie?

Studium an der Universität

Obwohl sich mittlerweile alle Abschlüsse dank des Bologna-Prozesses (die Umstellung auf Bachelor und Master) angenähert haben, gilt die Universität noch immer als die höchste Bildungseinrichtung. Sie genießt den besten Ruf und hat die längste Geschichte. Sie ist die „Alma Mater“ (lat.), die nährende Mutter, da sie die Studierenden mit Wissen ernährt. Sie ist der Ort, an dem man seine Doktorarbeit schreiben oder sogar habilitieren (also Professor werden) kann.

Wo sind aber die Unterschiede, wenn die Abschlüsse die gleichen sind?

Das zeichnet eine Uni aus:

  • Großes Studienangebot
  • Fokus auf Forschung und Lehre
  • Sehr viele Studenten an der Uniallgemein und in den Lehrveranstaltungen
  • Relativ freie Gestaltung in der Studienorganisation

Die Universitäten sind zunächst eine staatliche Einrichtung und werden vom Staat gefördert. Daher fallen – abgesehen von den Semesterbeiträgen – keine Kosten oder Studiengebühren für die Studenten an.

Lehrinhalte: Die Unis zeichnen sich durch ein großes und vielfältiges Studienangebot aus. Der Fokus der Universitäten liegt auf der Wissenschaft und sie ist somit weniger praktisch veranlagt als eine Fachhochschule oder Akademie. Forschung und Lehre sind die Säulen, auf denen eine Uni aufgebaut ist. Trotzdem bieten die Unis Auslandssemester, Praktika und Projektarbeiten an, um auch gerade im Bereich Gesundheit die Studierenden bestmöglich für das Berufsleben vorzubereiten und auszubilden.

Die Lernorganisation: Dem großen Studienangebot sind oft auch die riesigen Studentenzahlen geschuldet. Viele Universitäten haben mehr als 10.000 Studenten und die typischen Studentenstädte wirken in den Semesterferien wie leergefegt. Viele Studenten führen zu vollen Lehrveranstaltungen und für den Einzelnen ist es leicht, in der Masse zu verschwinden, wenn er es möchte. Auch eine intensive Betreuung der Professoren und Dozenten ist nur schwer möglich.

Ein Hörsaal einer Universität mit vielen StudentenDafür ist die Organisationsstruktur an den Universitäten relativ frei. Zwar hat sich das System durch die Bologna-Reform verschult und viele Studiengänge mussten neu und straffer organisiert werden. Aber die Studierenden sind in der Gestaltung des Stundenplans und des Lernens ziemlich frei. Selbstorganisation und Disziplin sollten dir liegen, sonst könnte es schwierig werden, das Studium gewuppt zu kriegen. Denn was du in einem Semester nicht schaffst, musst du in einem anderen nachholen. Im schlimmsten Fall verlängert sich deine Regelstudienzeit – was bis zu einer bestimmten Zahl aber sicher noch im Rahmen ist.

An den Universitäten kannst du vor allem Fächer wie Gesundheitsmanagement, Gesundheitswissenschaften, Ernährungswissenschaften, Gesundheitspädagogik oder Medizintechnik studieren.

Studium an der Fachhochschule

Im Vergleich zur langen Tradition der Universitäten sind die Fachhochschulen noch relativ jung. Wenn du über ein Studium im Gesundheitswesen nachdenkst, solltest du bei deinen Überlegungen auch die Fachhochschulen mit auf dem Schirm haben. Im Gegensatz zu einer Universität haben sie den Ruf, viel praxisorientierte zu sein. Deswegen werden an der FH zum Teil auch andere (praktischere) Studiengänge angeboten wie Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie oder Pflege. Und auch dort kannst du uni-typische Fächer wie Gesundheitsökonomie oder Gesundheitswissenschaften studieren.

Das zeichnet eine FH aus:

  • Kleine Lerngruppen
  • Hoher praktischer Anteil
  • Gute Kontakte zu Unternehmen
  • Gute Betreuung durch Dozenten

Da Fachhochschulen in der Regel praxisnäher sind, wird dort als Studienmodell oft auch das duale Studium angeboten, das in Kooperation mit einem Unternehmen verläuft.

Lehrorganisation: Da die Fachhochschulen weniger an der Wissenschaft und Forschung orientiert sind, kommst du so früh wie möglich mit der Praxis in Kontakt. An einer Fachhochschule ist es normal, dass du häufig Praktika absolvierst und Projektphasen hast, in denen du ganz praktische Erfahrungen (aus dem Berufsleben) sammelst. Bei der Suche nach einem Praktikumsplatz kann dich die FH unterstützen, da sie meistens gute Kontakte zu Unternehmen pflegt. Die Dozenten stammen häufig ebenfalls aus der Praxis, sind selbstständig oder arbeiten in einem der kooperierenden Unternehmen.

Im Gegensatz zur Uni gibt es deutlich weniger Studenten an einer Fachhochschule. Verstecken ist schwer möglich. Dafür kannst du mit einer intensiven Betreuung durch die Dozenten rechnen, mit kleinen Lerngruppen, kleinen Studiengänge und übersichtlichen Seminaren.

Ein weiterer Unterschied zur Uni ist die straffere Organisation. Während du an der Uni deinen eigenen Stundenplan zusammenstellen kannst und selbst viel Eigeninitiative und Verantwortung zeigen musst, wird dir an einer FH in der Regel der Stundenplan wie an einer Schule vorgegeben. Der Vorteil: So kannst du die Regelstudienzeit einhalten.

Eine studentische Lerngruppe an einer FHNoch ein Hinweis: Mit der Einführung der Bachelor- und Masterabschlüsse nennen sich nicht mehr alle Fachhochschulen Fachhochschule, sondern ändern das Label in „Hochschule (für angewandte Wissenschaften)“ oder University of Applied Science“. Warum? Zum einen weil durch die neuen Abschlüsse die Grenzen zwischen Uni und FH unschärfer geworden sind. Zum anderen macht die Bezeichnung aber auch deutlich, dass sich genau diese Fachhochschule auf praxisnahe Studiengänge fixiert. Aber nicht jede Hochschule ändert den Namen, um sich der Uni anzunähern. Manchmal liegt der Grund auch darin, dass die Fachhochschulen im Ausland als Hochschulen wahrgenommen werden wollen.

Studium an der Akademie

Studenten einer Akademie lernen zusammen in einer kleinen GruppeAkademie – was genau ist das eigentlich? Genau genommen ist dieser Begriff rechtlich nicht geschützt und umfasst im Prinzip alle Forschungs-, Lehr-, Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen, die staatlich oder privat gefördert werden.

Im Bereich Gesundheit gibt es viele Akademien, die vor allem auch Weiterbildungen als Fernlehrgang oder berufsbegleitenden Lehrgang anbieten. Am Ende der Weiterbildung erhalten alle Teilnehmer hochschuleigene Zertifikate oder IHK-Zertifikate.

Genauso gibt es aber auch Akademien, die zwar staatlich nicht anerkannt sind, aber die staatlichen Abschlüsse Bachelor und Master anbieten. Diese geschieht dann meisten in Kooperation mit einer Hochschule oder Universität.

Eine Akademie zeichnet sich (ähnlich wie eine Fachhochschule) durch kleine Kurse und intensive Betreuung durch die Dozenten aus. Der Unterricht legt ebenfalls weniger Wert auf tiefgreifende Forschung als auf die praktische Ausrichtung. Das zeigen Studiengänge wie Medizinalfachberufe, aber auch uni-typische Studiengänge wie Gesundheitsmanagement.

An einer Akademie verläuft der Bewerbungsprozess für einen Studiengang teilweise etwas aufwendiger als an einer Uni oder FH. Häufig musst du mit deiner Bewerbung ein Motivationsschreiben einreichen, eine Eignungsprüfung ablegen oder persönlich zu einem Gespräch erscheinen.

Die Qual der Wahl: Für welche Hochschulform entscheide ich mich?

Eine Grafik mit einer Figur, die vor einer Entscheidung mit drei Möglichkeiten stehtWir haben dir drei Hochschultypen vorgestellt und jetzt liegt es an dir, dich zu entscheiden. Die Entscheidung können wir dir nicht abnehmen. Wir können dir aber mit auf den Weg geben, dass es keine falsche Entscheidung gibt. Wie so oft bei der Wahl der Studiengänge und der Studienformen ist es am Ende Typsache (und auch eine finanzielle Frage, wenn du an einer Akademie studieren möchtest). Bist du jemand, der gerne im großen Verband von Studenten lernt, ein selbstbestimmtes Studentenleben führt und sich zum Lernen motivieren kann, solltest du die Uni in Erwägung ziehen. Reizt dich der praktische Anteil an einem Studium und die Aussicht darauf, dass dir der Stundenplan und das Lernpensum vorgegeben werden? Dann ist vielleicht eine Fachhochschule oder Akademie etwas für dich.

Ja, es ranken sich viele Mythen und Klischees um das Konkurrenzdenken von Universitäten und Fachhochschulen. Doch die sind in der Regel längst überholt. Allein durch den Bologna-Prozess und das Angleichen der Bachelor- und Masterabschlüsse sind Uni, FH und auch die Akademie auf absoluter Augenhöhe.

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