Gibt es einen Unterschied zwischen Soziale Arbeit und Sozialpädagogik?

Sind Soziale Arbeit und Sozialpädagogik ein- und dasselbe? Unter Studienbewerbern wird im Internet viel über dieses Thema diskutiert. Kein Wunder, dass viele verunsichert und irritiert sind, wenn es an den Hochschulen nur um Soziale Arbeit und nicht mehr um den Studiengang Sozialpädagogik geht. Was sind also die Unterschiede? Gibt es überhaupt welche? Wir haben die Antwort.

Soziale Arbeit vs. Sozialpädagogik?

Rollstuhlfahrer steht in der Sonne und streckt entspannt die Arme von sich„Die Begriffe können mittlerweile synonym verwendet werden,“ sagt Jörg Stäcker, Studienberater der Ev. Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie in Hamburg. Die Einrichtung, die seit 1971 Sozialpädagoginnen und -pädagogen ausbildet, bietet mittlerweile den Studiengang „Soziale Arbeit und Diakonie“ an, als Bachelor und Master mit verschiedenen Schwerpunkten. Und auch der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. (DBSH) macht deutlich, dass die Sozialpädagogik als Teilbereich der Sozialen Arbeit zu verstehen ist, denn der Verband bezeichnet sich als „Fachverband, Gewerkschaft und Berufsverband für Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Heilpädagogen und Erzieher“.

Häufig wird die Gleichheit von Sozialpädagogik und Sozialer Arbeit mit der Umstellung auf die neuen Abschlüsse begründet. Laut Stäcker ein Trugschluss. „Mit der Bologna-Reform hat dies nichts zu tun“. Ausschlaggebend sei vielmehr das Gesetz über die Anerkennung von Sozialpädagogen und Sozialarbeitern, nach dem diese beiden Berufe gleichgestellt sind. Im Zuge der Reform sind allerdings viele Studiengänge umbenannt worden bzw. neu entstanden, sodass ein indirekter Zusammenhang bestehen dürfte.

Auch bei der näheren Betrachtung des begrifflichen Ursprungs kann das Zusammenfassen der beiden Fachbereiche vielleicht noch einmal deutlich werden. Während der Begriff Pädagogik sich vom Griechischen paidagogía ableitet, was für Erziehung und Unterweisung steht, ist der Begriff soziale Arbeit ein viel weiträumig gefasster Begriff. Er betrachtet nicht nur die pädagogischen Aufgaben, sondern alle Aufgaben im sozialen Miteinander. Dementsprechend umfasst er auch die Sozialpädagogik. Es wurde also letztlich wieder zusammengeführt, was sowieso zusammengehört. Dabei wurde auf die eher spezialisierten Studiengänge der Sozialpädagogik verzichtet und der Fokus auf die Ausbildung von Generalisten gesetzt.

Auf der Suche nach dem Sozialpädagogik Studium

Eine Sozialarbeiterin spielt mit einem älteren Herren Schach.Der Studiengang Sozialpädagogik ist keineswegs komplett verschwunden; häufig aber nur noch in abgewandelter Form zu finden: So etwa unter der Bezeichnung „Sozialpädagogik & Management“ oder als Schwerpunkt in einem Soziale Arbeit Studium. Doch die meisten Suchergebnisse enden tatsächlich beim Studiengang Soziale Arbeit. Wie gesagt: Hier ist die Sozialpädagogik häufig als Schwerpunkt oder fester Teilbereich des Studiengangs zu finden.

Der Studiengang Soziale Arbeit an sich enthält häufig pädagogische Anteile. Er vermittelt einen berufsqualifizierenden Abschluss als Sozialarbeiter / Sozialpädagoge. Der Unterschied zwischen Soziale Arbeit und Sozialpädagogik wird aber durch das Tätigkeitsfeld deutlich: Der Studiengang qualifiziert zwar auch für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien, doch er zielt ebenso auf die Arbeit mit „älteren Menschen, in Kultur- und Stadtteilzentren, im Bereich von Migration, Resozialisierung und sozialer Teilhabe, beruflicher Reintegration sowie mit psychisch kranken Menschen, Abhängigkeitskranken und Menschen mit Behinderungen.“ Zu den Inhalten beider Studiengänge gehören Erziehungs- und Bildungswissenschaften, Psychologie, Sozialwissenschaften und Recht.

Das ist alles weniger kompliziert als es klingt: Manche Studiengänge konzentrieren sich nach wie vor mehr auf den erzieherischen Aspekt, während andere auf die Sozialarbeit im Allgemeinen zielen.

Unterschiede in der Praxis

Eine Sozialpädagogin sieht sich mit einem Jungen mit einer Behinderung ein Buch an.Sozialpädagogen arbeiten unter anderem in Kindertagesstätten. Sie können aber auch Aufgaben zum Beispiel als Familienhelfer übernehmen: Diese Experten unterstützen Kinder überforderter Eltern etwa bei Verhaltensauffälligkeiten oder Schulproblemen. Dabei geht es auch um Erziehungsfragen und Ratschläge, wie bestimmte Verhaltensweisen verbessert werden könnten. Familienhelfer stehen im Kontakt mit dem Jugendamt, das wiederum für Fragen rund um das Sorgerecht zuständig ist.

Ein Streetworker hingegen, der sich beispielsweise um erwachsene Drogensüchtige kümmert, hat andere Aufgaben. Er wird zwar auch intensive Gespräche mit seinen Schützlingen führen, um diese auf den richtigen Weg zu bringen. Im Vordergrund aber steht die Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags: Hilfe bei Behördengängen, der Arbeits- und Wohnungssuche oder die Begleitung zur Suchtberatungsstelle. Sozialarbeiter kümmern sich also um sozial Benachteiligte sowie um Menschen, die sich in schwierigen Lebensverhältnissen befinden.

Erziehen und Unterstützen

Noch deutlicher wird der Unterschied bei der Arbeit mit Menschen, die eine Behinderung haben: Hier geht es darum, jemanden, der zum Beispiel im Rollstuhl sitzt, zu unterstützen ‒ und nicht darum, ihn zu erziehen ‒ es sei denn, es handelt sich etwa um die Arbeit in einem Kindergarten für junge Menschen mit Behinderungen. Für Jörg Stäcker ist es nur ein scheinbarer Widerspruch zum Begriff Sozialpädagogik. Vielmehr spiele hier besonders die Silbe „päd“ / griechisch: pais („das Kind“) eine Rolle. „Es bedeutet im übertragenen Sinne, sich um einen Menschen zu kümmern“, sagt der Hamburger Studienberater. Damit wird deutlich, wie stark beide Bereiche miteinander verwoben sind. Auch aus diesem Grund wurden sie vielfach im Studiengang „Soziale Arbeit“ zusammengefasst.

Fazit

Eine Sozialarbeiterin trägt einen Karton mit Kleiderspenden und lächelt in die Kamera.„Die soziale Arbeit ist ein Oberbegriff“, bestätigt Barbara Braun-Schönwandt vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) in Frankfurt am Main. „Er umfasst verschiedene Tätigkeitsfelder, unter anderem den der Sozialpädagogen“. Es ist also bei einem Studium in diesem Bereich besonders wichtig, sich genau zu informieren. Die Inhalte der Studiengänge sind teilweise unterschiedlich bzw. es werden besondere Schwerpunkte gesetzt. Auch die Bezeichnung des Abschlusses kann variieren und zum Beispiel „Sozialarbeiterin B.A.“ oder „Sozialarbeiterin / Sozialpädagogin B.A.“ lauten. Es heißt zwar, dass dies am Ende keine Rolle spielt und einem grundsätzlich alle Bereiche der sozialen Arbeit offen stehen. Doch wie bei allen Wahlmöglichkeiten gilt es hier genauer hinzusehen, da auch feine Unterschiede zwischen den Studiengängen Soziale Arbeit und Sozialpädagogik bzw. sogar innerhalb des gleichen Studiengangs durchaus relevant für den persönlichen Weg sein können.

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